Kritischer Rundgang am Neckarufer

veröffentlicht am 22. Mai 2011

Um das Ufer unseres Hausflusses bei Berg und Gaisburg geht es auf einem „Kritischen Stadtrundgang“, den die Gruppe Stuttgart Ost der Architektenkammer am 26. Mai veranstaltet.

Im 19. Jahrhundert waren Flüsse als Transportweg und Energiequelle oft Ausgangspunkt industrieller Entwicklung. Als Stuttgart zur Großstadt wurde, bekam das Neckarufer vor den Stadtteilen Berg und Gaisburg die Rolle des Versorgungsschwerpunktes zugewiesen: Zum städtischen Wasserwerks kamen bald Gasfabrik, Heizkraftwerk und Schlachthof – gefährliche und übelriechende Betriebe, die man in der Stadt selbst nicht haben wollte. Am Flussufer entwickelte sich die Neckartalstraße zu einer Hauptverkehrsader der Region.

Neckarufer

Neckarufer

Heute gelten für Industrie und Versorgungsbetriebe völlig andere Bedingungen. Auch am Berger/Gaisburger Ufer sind viele Flächen kaum mehr genutzt. Zugleich entdecken Städte überall auf der Welt ihre Uferzonen als interessante und äußerst imagefördernde Standorte für neue Quartiere. In Stuttgart wird das Projekt „Neckarpark“ vorangetrieben. Die entsprechenden Pläne sind allerdings noch nicht einmal bis ans Cannstatter Neckarufer vorgestoßen. Auf der anderen Flussseite herrscht seit langem Funkstille. Dabei gab es im Zuge der Olympiabewerbung vor zehn Jahren die ernsthafte Vorstellung, auf den Flächen von Wasserwerk und Heizkraftwerk ein Schwimmstadion und das Pressezentrum als Ausgangspunkt für ein neues Stadtquartier anzusiedeln.
Die Gruppe Stuttgart Ost der Architektenkammer setzt sich in ihrem sechsten öffentlichen Stadtspaziergang (in Kooperation mit MUSE-O) mit der Vergangenheit und der Zukunft dieses Uferabschnitts auseinander. Unbekannte Industriedenkmale werden dabei ebenso angesprochen wie die landschaftlichen Qualitäten zwischen Fluss und grüner Hangkante sowie der enge Zusammenhang des Gebietes mit der Kernstadt. Aber auch die immensen Beeinträchtigungen durch Altlasten und Autoverkehr werden thematisiert. Der Weg führt von den Mineralbädern am Mühlenbrunnen vorbei zur Besichtigung des historischen Wasserwerks. Das Wohnquartier an der Poststraße und das Gaisburger Neckarufer mit der alten Schiffslände, mit Gas- und Heizkraftwerk sind weitere Stationen, bevor die Tour im ehemaligen Schlachthofgelände endet. Dort ist mit kleinteiligem Gewerbe und Gastronomie eine städtische Nutzungsmischung entstanden, an die künftige Entwicklungen anknüpfen könnten.
Wie immer werden Experten aus unterschiedlichen Fachrichtungen den Weg begleiten und die Diskussion mit ihren Beiträgen bereichern.

Berger und Gaisburger Neckarufer – Wasserwerk, Gaswerk, Schlachthof, Stadt? Ein „kritischer Stadtrundgang“ der Architektenkammergruppe Stuttgart Ost unter Mitarbeit von MUSE-O.
Donnerstag, 26. Mai 2011, 17.00-ca. 19.30 Uhr, Treffpunkt: Eingang Mineralbad Leuze, Ausklang im Schachthof-Biergarten
Voranmeldung bei
Kammergruppe Stuttgart Ost/
Thomas Herrmann,
Tel. 0711/ 48 75 00,
Fax 48 77 08, E-Mail t.herrmann@architekten-ars.de

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