Aufbruchszeit vor 100 Jahren

veröffentlicht am 03. April 2026

Eine neue Ausstellung im MUSE-O nimmt in den Blick, wie die 1920er-Jahre den Stuttgarter Osten verändert haben. Eröffnung ist am 12. April um 15 Uhr.

Der Stadtbezirk erlebt in jener Zeit nach schwierigem Start einen ungeheuren Aufschwung. Er wird zu einem bedeutenden Industriestandort; wichtige Firmen kommen hierher, blühen auf oder werden hier gegründet, schaffen Arbeitsplätze und Innovationen. Zwischen den alten Ortskernen entstehend zahlreiche Siedlungen. Neue Schulen verfolgen reformpädagogische Ansätze, die Katholiken zeigen durch Neubauten ihre zunehmende Bedeutung. Die technische und die soziale Infrastruktur werden an die wachsenden Bedürfnisse angepasst. Der „Großstadtsport“ verlangt geeignete Sportstätten, auch Kunst und Kultur treten mit einigen Institutionen auf den Plan.

Die vom Stuttgarter Architekten Hugo Keuerleber entworfene und 1926 eröffnete Stadthalle an der Neckarstraße in Berg war Schauplatz großer Ereignisse. Slg. Gohl

Die MUSE-O-Präsentation bietet originelle Zugänge: Zum einen ist an Stadtplänen zu ersehen, wo genau sich diese Änderungen, die vielfach bis heute nachwirken, vollzogen haben. Zum anderen umgibt die rund 30 Objekte mit ihren Geschichten die vielzitierte „Aura des Originals“; alle stammen aus dieser „Weimarer Zeit“, wurden im Osten hergestellt oder waren zwischen Gaskessel und Gänsheide im Gebrauch. Einzige Ausnahme: Das Cabrio der Firma Wanderer passte leider nicht in die Räume und wird durch ein kleines Modell vertreten. Die Exponate stammen aus dem Fundus des MUSE-O und einigen Privatsammlungen. Präzise recherchierte, knappe Texte und teilweise bisher unveröffentlichte Bilder runden die Darstellung ab.

Die bedeutende Zigarettenfabrik Waldorf-Astoria verpackte ihren losen Tabak in Metalldosen, gestaltet von dem Karlsruher Grafiker Alfred Kusche. Slg. Gohl

Acht Themen behandelt die Ausstellung, wobei die Ausstellungsmacher vielfach echte Forschungsarbeit zu leisten hatten, weil Vorarbeiten weitgehend fehlten. Schwerpunkte bilden jedenfalls die (oft städtischen) Siedlungen und die überraschend vielfältig vorhandene Industrie. Ebenfalls genau betrachtet werden die besonderen Entwicklungen bei den Schulen, Kirchen undder Infrastruktur, im massiv wachsenden Sportbetrieb, in Kunst und Kultur sowie bei besonderen Ereignissen.

Die 1920er-Jahre im Stuttgarter Osten. Wohnen – Arbeiten – Leben. Eine MUSE-O-Ausstellung.
MUSE-O, Gablenberger Hauptstr. 130, 70186 Stuttgart
12. April bis 18. Okt. 2026, Eröffnung So., 12. April, 15 Uhr
Geöffnet Sa, So 14-18 Uhr
Eintritt: € 4,-, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei
Aktuelle Informationen stets unter: www.muse-o.de

MUSE-O wird institutionell gefördert vom Kulturamt der Landeshauptstadt Stuttgart

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